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Die Happy: "Charts sind ein guter Zeiger" |
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Von Milan Knezevic
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Tuesday, 07 November 2006 |
Mit dem neuen Album "No Nuts No Glory" geht die Band um die hübsche Frontfrau Marta Jandová einen Schritt zurück, um sich dabei im Sound gleich mehrere nach vor zu bewegen.
Freundlich stehen zur Begrüßung Marta und Thorsten von Die Happy auf. Und während wir uns setzen, bleibt Marta noch stehen. Sie müsse noch die neuen Schuhe eintragen, die sie heute angezogen hat. Hohe Stiefel, schließlich muss man Männern etwas bieten, und das nicht nur live auf der Bühne, sondern auch beim Echo, wenn man überraschend bei der Musikpreisverleihung auftaucht.
 Band-Mastermind Thorsten dazu: "Es sind viele, viele Freunde da, die Du dort treffen kannst. Du machst halt eine Runde und bis Du dann am Ausgang bist, hast Du alle getroffen - und kannst gleich nach Hause gehen, weil Du sternhagelvoll bist." ECORDER: Beim österreichischen Amadeus wundert man sich, dass die österreichische Musikszene so groß ist, wenn man sich all die Leute anschaut, die dort auftauchen.
Thorsten: Wir sollten heuer beim Amadeus spielen, durften aber dann doch nicht. Man hat uns ausgeladen. Marta: Wir wollten darum nie wieder nach Wien (lacht).
ECORDER: So, aber ihr wart dann beim Echo und hattet noch kein neues Album?
Thorsten: Da kamen wir gerade aus der kleinen Ferienhütte zwischen Hamburg und Berlin, wo wir an den neuen Songs gearbeitet haben. Dort hatten wir uns der Gefahr gestellt, vier Musiker in einem kleinen Raum zu sein, ohne Internet und nichts. Und wir mussten miteinander auskommen.
Marta: Gerade an dem Tag, als wir fertig waren mit der Hausgeschichte, sind wir direkt beim Echo gelandet. Wir feierten also den Startschuss für das nächste Album.
ECORDER: Geht man sich nicht auf die Nerven, eingeschlossen in einem kleinen Haus?
Thorsten: Man geht sich auf jeden Fall auf die Nerven. Du kannst da nicht sagen "Leck mich am ..." und haust dann ab, sondern musst einfach akzeptieren, dass es zwei Meinungen und Ansichten gibt. Das gelingt bei uns auf jeden Fall.
ECORDER: Das funktioniert bei euch auch, wenn ihr auf Tour seid.
Marta: Auf Tour ist es etwas anderes. Da hast Du deine Aufgaben und musst dir keine Texte überlegen, keine Super Akkorde, Riffs und was weiß ich. Da hat man nicht diesen Druck. Du musst nur darauf achten, gesund zu bleiben und auf der Bühne gut zu sein. Und in so einer Hütte, wo es ums nächste Album geht und die Fragen da sind, ob die neuen Lieder gut sein werden, schreiben wir ein paar gute Singles ... da ist das schon schwierig. Wenn man sich streitet, steht das ganze unter keinem guten Stern.
Thorsten: Du warst dort nicht abgelenkt. Wenn Du in de Stadt bist, gehst Du abends mit Freunden weg und machst das und das. Aber in so einer Hütte kannst Du nicht abhauen.
ECORDER: Hat das etwas für die neuen Songs gebracht? Thorsten: Auf jeden Fall! Wir hatten zu dem Zeitpunkt fast ein komplettes Album fertig und dann schrieben wir den Song "Okay", der es zwar nicht aufs Album geschafft hat, der aber verantwortlich war, dass das Album so roh und natürlich geworden ist. Wir haben alles, was wir dann bis dahin fertig hatten, verworfen und danach im Proberaum in sechs Wochen neue Songs geschrieben. Die alten haben nicht mehr zu der Vision gepasst, die wir danach hatten.
ECORDER: Schielt ihr nicht immer wieder beim Songwriting auf die Charts?
Thorsten: Klar, das macht jeder. Jeder will eine gewisse Bestätigung in dem was er macht und da sind die Charts. Das ist einfach ein guter Zeiger, was natürlich nichts mit der Qualität zu tun hat Das jetzige Album hat für uns keine Chartrelevanz. So wie es aussieht, chartet die Single, was wir aber nicht erwartet haben. Und wir hoffen, dass das Album in die Charts kommt. Aber wir haben keinen Gedanken daran verloren, denn wir wollten ein Album für uns machen.
Neue Motivation für die Platte kam außerdem, so Marta weiter, durch ihren Umzug. Alle haben Ulm verlassen, die Jungs nach Berlin, Marta nach Hamburg. Marta: Bei der "Bitter To Better" war das nicht einfach im Studio: wir hatten eine neue Plattenfirma, und wir mussten uns erst mal kennen lernen. Sie mussten merken, das wir unseren Stil haben und als Band schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Das war für Plattenfirma und für uns nicht einfach und wir mussten uns davon ein bisschen erholen. Die Plattenfirma hat davon auch gelernt. Und dann kam dieses Lied "Okay" und da haben sie gesagt: "Ihr habt soviel Zeit wie ihr wollt." Dann sind nur noch Lieder gepurzelt. Das konnte man auch der Musik anhören, denn die Plattenfirma hatte nur noch Lob.
Thorsten: Wir sind eine Band, die auf Melodien und Harmonien steht. Ich glaube das unser Album nicht so mainstream- und radiokompatibel ist, aber das war uns echt nicht wichtig. Dann kann man immer noch einen Remix machen oder eine Akustik-Version für die Radios machen. Beim Album war es uns wichtig, dass es ein geschlossenes Ding ist, von vorn bis hinten zueinander passt. Alles andere ist unwichtig.
Marta: Ich hab grad einen Phoner gehabt mit einem aus dem österreichischen Radio, der gemeint hatte, die ganze Platte wäre ihm zu hart.
Thorsten: Wir haben uns lange damit abgefunden, dass wir nicht im Radio stattfinden. Wir machen das halt nicht, um denen in den Arsch kriechen.
Marta: Was ich auch geil finde, dass es bei Rockbands spezielle Versionen fürs Radio gibt. Warum auch nicht, wenn man etwas auch unplugged spielt? Wir sind sowieso große Unplugged-Liebhaber nach unserer Tour.
ECORDER: Was ich mitgekriegt habe: ich seid heuer auf Tour und kommt kein einziges Mal in Österreich?
Thorsten: Wir kommen im Frühjahr nach Österreich. Wir konnten es nicht mehr unterbringen, weil die Deutschland-Tour voll ist. Wir haben nur vier Daten in der Schweiz vor gepackt und Österreich verdient eine eingespielte Band. Deswegen üben wir vorher bei den anderen Terminen. Vor allem muss der neue Sound geübt werden.
ECORDER: Vor Jahren habe ich euch in Wiesen gesehen. Das war am Nachmittag und es war bereits gesteckt voll vor der Bühne.
Thorsten: Wiesen war immer nett zu uns.
Marta: Österreich war bis auf ein Konzert immer unser liebstes Land. Ich weiß nicht mehr genau, wo das war. So eine Mühle.
ECORDER: Die Cselly-Mühle.
Marta: An sich ein geiler Laden. Bloß kamen da nur Teenager hin, die ausgehen wollten. Und vor mir war da ein Mädchen, das hat eine Spinne getötet. Ich fand es furchtbar, hab sie angeguckt "Hey, die hat dir nichts getan" und weil ich sie so angeguckt hab, war sie beleidigt und ist gegangen. Denn Spinnen darf man nicht töten. Wenn man sie nicht angreift, machen sie auch nichts. Und wir kommen trotzdem sehr gerne nach Österreich, ich kann mich an fast jedes Konzert erinnern! Hier passiert oft etwas Spezielles.
Wie letztes Jahr in der Arena, da wollte ich ein schönes, neues T-Shirt anziehen, das ich an dem Tag hier in Wien gekauft habe. Das ist dann auf der Seite immer herunter gerutscht, sodass man den BH immer gesehen hat. Und einmal in Salzburg wurde mir aus Versehen von einem Security - er hat sich schnell bewegt - ein Stück vom Zahn ausgeschlagen. Thorsten: Wir sind halt gerne hier. Vor allem Wien ist eine schöne Stadt. Ist sehr ähnlich mit Prag.
ECORDER: Und da wohnst du trotzdem in Berlin? Hamburg kann ich mir vorstellen, aber Berlin?
Thorsten: Berlin ist schöner als was man denkt.
Marta: Ich mag die Österreicher. Die mögen alle Hamburg mehr.
Thorsten: Ich bin selber einer, der früher Berlin überhaupt nicht gemocht hat, aber es hat schöne Ecken. Seit ich da wohne, hab ich mich echt mit der Stadt angefreundet. Es wohnen viele Künstler da und das Networking ist wichtig, man trifft immer wichtige Menschen. Berlin, Hamburg und Köln sind die wichtigen drei Städte. München gäbe es da noch, aber das ist mehr Schickimicki. Wenn wir in München spielen, ist das meist im Backstage. Und feiern gehen wir dann ins Atomic. Das ist zwar ein Alternative-Schuppen, aber es ist viel zu bieder. Marta: Ich liebe München, weil es eine total schöne Stadt ist. Ich habe viele Erinnerungen, als ich noch ein kleines Mädchen war. Wir durften nicht reisen, aber für einen Tag konnten wir nach München - das wurde uns erlaubt von Ausreiseamt. Deswegen fand ich das immer schön. Trotzdem verbinde ich München so etwas wie das P1. So eine In-Disko.
ECORDER: Werdet ihr eigentlich so von Leuten erkannt?
Thorsten: Nur wenn Marta dabei ist.
ECORDER: Ja ... ein paar Burschen und eine Frau. Wer könnte das sein?, werden sich die Leute fragen. Die Guano Apes?
Thorsten (lacht): Die gibt´s ja nicht mehr. Von daher ...
ECORDER: Eigentlich habt ihr sie überlebt.
Thorsten: Wir haben denen die Krone abgenommen. Guano was? Ich hab trotzdem fast alle Alben von denen, und die Sandra wohnt in meiner Nachbarschaft.
ECORDER: Wegen wem bist Du dann nach Hamburg gezogen?
Marta: Ich komme aus einer Großstadt, aus Prag. Dann wohnte ich in Ulm - und das hat keinen Flughafen. Und nachdem wir soviel unterwegs sind, brauchen wir eine Stadt, wo man alles zu jeder Zeit bekommen kann. Als ich in Ulm war, mussten meine ganzen Freundinnen arbeiten, während ich frei hatte und wenn ich arbeiten musste, hatten sie frei. Deswegen war ich oft einsam. Ich brauche eine Stadt, in der, wenn ich Bock habe Tanzunterricht zu nehmen, ich in die Gelben Seiten schau, anrufe und sag "Haben Sie heute eine Stunde?"- Und dann kann ich da hin gehen. In Ulm kann man sich nur diese Jahresdinger kaufen und nur donnerstags hingehen.
Thorsten: Deswegen ist Marta also nach Hamburg gezogen ... weil sie tanzen lernen wollte.
Marta: Hamburg ist eine wunderschöne Stadt, weil sie mich an Prag erinnert. Hamburg ist wegen der Größe überschaubar. Ich fühlte mich da immer sehr wohl, als wir da gespielt haben, hatten wir immer volles Haus.
ECORDER: Wien hat also den kürzeren gezogen. Vielleicht, weil ihr uns nicht versteht!
Thorsten: Nein, ihr seid zu sehr südlich. Als wir im Süden gewohnt haben, haben wir im Norden Festivals bespielt. Und seit wir im Norden wohnen, spielen wir nur mehr in Süden. Und von Wien aus hätte man so oder so eine weite Anfahrt nach Deutschland.
Marta: Und die Telefonkosten. Stell dir vor, wenn wir immer unsere Freunde anrufen ...
ECORDER: Ihr seid mit der Wahl zur Singleauskoppelung zufrieden?
Thorsten: Klar. War unsere Entscheidung wie eigentlich alles bei der Platte.
ECORDER: Nicht so wie bei der vorigen?
Thorsten: Da gab´s auch viel mehr Kompromisse. Wir haben den Produzenten, den Grafiker, den Regisseur vom Video selbst gewählt.
ECORDER: Nach welchen Gesichtspunkten sucht ihr euch die Leute aus?
Thorsten: Also produziert haben wir die Platte mit zweien. Mit unserem Mann, der "Better To Better" gemacht hat - er ist ein Super Arrangeur. Und der andere weil wir es live aufnehmen wollte, der Thorsten Otto. Der hat was für die Bosse und Gods Of Blitz gemacht. Und es ist soundlich das, wo wir hinwollten.
ECORDER: Das bedeutet, ihr kennt die Bands, die er produziert hat und dann gesagt, den Mann wollen wir.
Marta: Beziehungsweise seinen Sound. Klar und roh.
Thorsten: Das muss genauso klingen, wie wir es uns vorstellen. Und der ist halt der Chef, wenn es darum geht, in einem Raum live aufzunehmen, wo nicht die Boxen in unterschiedlichen Räumen stehen, sondern alles in einem ist. Und der kann das genau so Aufbauen und alles so mikrofonieren, dass er mit dem Signal dann etwas anfangen, also mischen kann. Marta: Ganz anders also als Shania Twain, die jeden Ton einzeln eingesungen hat, weil der Produzent ein Perfektionist war und wollte, das jeder Ton sitzt. Wir haben gehört, dass unsere Platten nie so gut sind, wie wir live sind. Was an und für sich ein Super Kompliment ist, denn andersrum wäre es schlimm, wenn man sagt, eure Platte ist toll aber live seid ihr Dreck.
ECORDER: Andererseits kommen die Fans heutzutage durch die Platte zu einer Band und selten durch ihr Live-Konzert, weil sie da halt nicht hingehen.
Thorsten: Wenn die aber auf einen Gig von uns kommen, können wir sie immer überzeugen. Das war nie unser Problem. Aber wir haben bisher wenig von der Energie auf die Platte gekriegt.
ECORDER: Wie lange habt ihr gebraucht?
Thorsten: Mit Mischen und Mastern knapp sechs Wochen. Sechzehn Songs haben wir aufgenommen. ECORDER: Ein Langes Live-Konzert quasi. Und wie macht ihr das dann mit den Songs, weil ihr ja nicht gerade Nachbarn seid?
Thorsten: Wir haben alle Logic, da nehmen wir unsere Demos auf. Marta hat immer die geilsten Demos. Die nicht so versiert ist im Gitarren aufnehmen und Drums zu programmieren. Bei ihr sind das immer Skizzen ... echt cool zu hören.
Marta: Und wenn ihr mir was schickt, sind die Gesänge immer sehr lustig.
ECORDER: Ihr habt ja ganz zu Beginn eurer Karriere einen Bandwettbewerb gewonnen. Hat euch das etwas gebracht?
Thorsten: Eher geschadet. Du stehst im Spotlight von den Verantwortlichen, die sagen: Hier ist der Sieger, jetzt macht etwas. Darauf haben die Plattenfirmen keinen Bock, die wollen die Bands selber entdecken. ECORDER: Das heißt, die Veranstalter sind zu den Plattenfirmen gerannt?
Thorsten: Das nicht, aber da ist ein Radio mit im Boot und da macht das Radio Druck.
ECORDER: Hat es wenigstens Kohle gebracht?
Marta: Wir haben 3000 Mark gewonnen.
ECORDER: Bei unserem ABC sind das wenigstens neben vielen Sachpreisen 10.000 Euro in Bar.
Thorsten: Da kann man sich wenigstens eine Produktion leisten. Obwohl man sich um das Geld ein Studio einrichten kann. Auch wenn man sich mit dem Equipment nicht auskennt, heißt es halt mal "Learning By Doing". Wenn Du anfängst Musik zu machen, bist du ja auch nicht perfekt.
ECORDER: Habt ihr sonst noch etwas auf dem Herzen, über das wir reden können?
Thorsten: Über unseren Alkoholkonsum haben wir noch nicht geredet, aber wie man sieht, trinken wir nur Wasser.
ECORDER: Haben wir schon angeschnitten beim Echo. Eine Runde dort gehen und man ist komplett zu.
Thorsten: Du kennst den Echo nicht. Der ist groß! Da brauchst du zwei Stunden, bis du durch bist.
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