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Reflector: "Eigentlich schon bemerkenswert" |
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Von Franz Keiblinger
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Tuesday, 27 February 2007 |
Die Musik dieser Band ist mächtig und heavy, aber trotzdem subtil. Gerne werden sie unter dem Banner Noise- bzw. Sludge-Rock geführt Über diese Kategorisierung sind sie erhaben.
Im Juni 2006 erschien "Phantoms", der bislang letzte Release von David Reumüller (drums, voc) und Adreas Heller (guit, voc). Im Interview machen sie ihrem Bandnamen Reflector alle Ehre und erzählen reflektiert über ihren künstlerischen Output und aus ihrem Leben. Schnell wird klar, dass sie weit mehr sind, als zwei Typen, die einfach nur Rockmusik machen.
ECORDER: Wie lange wart ihr für "Phantoms" im Studio bzw. wie lange habt ihr euch darauf vorbereitet?
Andreas Heller: Ich glaube wir haben das Material in etwa vier Tagen eingespielt, kurz vorher haben wir an zwei Songs noch ziemlich viel verändert. Die Hauptarbeit war dann das Mischen, und das ausarbeiten jeden einzelnen Liedes, das hat dann schon etwas länger gedauert. Etwa sechs Monate später hatten wir das fertige Produkt in der Hand, es war auch wichtig zwischen den Sitzungen etwas Zeit vergehen zu lassen, und dann das Material von neuem anzuhören. David Reumüller: Wir haben die letzten Jahre viel an Projekten auch mit anderen Musikern gearbeitet, und Phantoms ist eigentlich das Produkt der Arbeit zu zweit die dazwischen stattgefunden hat. Daher lag das letzte Release auch einige Zeit zurück ECORDER: Wie groß war der Einfluss von eurem Produzenten und Mixer BerndHeinrauch?
David Reumüller: Bernd Heinrauch war für das Album sehr wichtig. Wir haben mit unseren Aufnahmen bis "Phantoms" nicht unbedingt die besten Erfahrungen gemacht, und die Arbeit mit Bernd war derart angenehm und fruchtbar – ich glaube eigentlich hat er erstmals aus Reflector das gemacht was es ist. ECORDER: Was hat sich seit der Veröffentlichung von "Phantoms" an eurer Position geändert? Seit ihr erfolgreicher als früher?
Andreas Heller: Eigentlich hat sich sehr viel getan, wir bekamen durchwegs gute Kritiken, haben einige gelungene Konzerte gespielt und neue Kontakte geknüpft. Vor "Phantoms" war es eher ruhig um uns. David Reumüller: Ich bin auch überrascht über die Reaktionen, vor allem der Quantität. Von der Qualität bin ich mäßig begeistert - am meisten hasse ich platte positive Kritiken, wo man genau weiß, dass null verstanden wurde ... ECORDER: Hat euch eure Präsenz bei House of Pain auf FM4, die schon seit einigen Jahren läuft, nicht weitergebracht?
David Reumüller: Ehrlich gesagt glaub ich das nicht wirklich. Der Input bei Konsumenten ist derart hoch, dass nur die Bands im Kopf bleiben die entweder bekömmlich sind oder am nächsten und übernächsten Tag wieder in irgendeinem Medium auftauchen. Andreas Heller: Andererseits werden wir immer wieder auf die zwei Sendungen angesprochen. Ich denke es hören schon sehr viele Leute und sind teilweise auch angewiesen auf House of Pain. Sie hören die präsentierte Musik durch ihr filterndes Ohr, was ihnen gefällt merken sie sich auch und recherchieren nach. Ich halte das schon für wichtig, auch für Bands klarerweise. ECORDER: Was war der auslösende Moment eine Band in dieser Form zugründen? Gab es da ein spezielles Erlebnis oder eine andere Band die euch dazu bewogen hat?
David Reumüller: Wir kommen aus eher unterschiedlichen Richtungen, Andi war Guitarist in einer Crustcoreband ich Sänger und Guitarist in einer Punkband mit schweren Hang zum Seattle der 80er Jahre. Was uns zu der Zeit eher verband war grob gesprochen das psychisch Labile und die Suche nach einem Ventil das uns passender erschien als unsere bestehenden Bands. Andreas Heller: Wir kommen zwar aus dem Hardcoreumfeld, haben damals aber angefangen Musik zu machen ohne dass wir uns vorher genau ausgemacht hätten, in welche Richtung es gehen sollte. David hat ja auch nicht Schlagzeug gelernt vorher, er hat sich einfach hingesetzt und gespielt. Heuer haben wir übrigens unser 10jähriges Jubiläum. ECORDER: Am Ende von "Into The Great Arbitrariness" gibt es ein Gitarrensolo, das wahrscheinlich nachträglich eingespielt wurde, stößt man hier bereits auf die Grenzen einer Zwei-Mann-Band? Wenn ihr ein drittes/zusätzliches Bandmitglied aufnehmen würdet, welche Position hätte dieses? Andreas Heller: Dieses "Gitarrensolo" ist in der Tat das Einzige was wir live nicht hinbekommen würden, und selbst wenn wir zu dritt wären, würden wir es live nicht spielen. Ich sehe da auch einen Unterschied zwischen Studio und live. Wir spielen live meist eine Mischform aus einzelnen Songs und Fragmenten aus verschiedenen ältern und neuen Liedern. Es ist aber auch schon vorgekommen das wir eine Hälfte eines Konzertes gemeinsam mit Robert Lepenik (Fetish 69, Melville, The Striggles) bestritten haben, er spielt Bass bei einem gemeinsamen Song, da hat es sich ergeben das wir auch "Sunset Strip" in einer anderen Version gespielt haben, bei der David, statt Schlagzeug, Trompete spielt. David Reumüller: Prinzipiell sind wir ein Duo, aber wir sind auch interessiert daran mit anderen befreundeten Musikern zusammenzuarbeiten. Ein drittes, fixes Bandmitglied wäre bei uns nicht denkbar und auch nicht nötig. Unsere Nummern sind auch auf Gitarre/Schlagzeug geschrieben, dieses "Gitarrensolo" ist da eher die Ausnahme und auch als, persiflierende Hommage an ein gewisses Genre und die damit verbundenen Gefühle gedacht. ECORDER: In der Bandbeschreibung steht nur "Reflector ist eine Zwei-Mann-Band aus Graz" und eure Texte sind schwer verständlich und wurden bis jetzt nicht abgedruckt. Habt ihr keine Angst falsch verstanden zu werden bzw. ist dass nicht ein bisschen wenig was ihr von euch preisgebt um nicht in der großen Menge von Bands unterzugehen?
Andreas Heller: Die Befürchtung in der großen Menge von Bands unterzugehen hab ich nicht, vielleicht wäre das eher der Fall, würden wir Death Metal, Ska-Punk oder eine andere Form von, mehr oder weniger, angesagter Szenenmusik machen. Unsere Texte sind größtenteils recht persönlich und ich denke dass aufgrund der Songtitel und des Stückes selbst schon das Grundthema ganz gut rüberkommt. Wir haben Teile unserer Texte in unserer ersten CD abgedruckt, in unserer Split 7inch ebenfalls und auf "Phantoms" sind die Hälfte der Songs instrumental, insofern hielten wir es nicht unbedingt für notwendig sie abzudrucken, vor allem wollten wir das Cover recht simpel halten. David Reumüller: Ich hab unlängst ein Zitat über Attwenger gelesen, das mir sehr gut gefiel: "man muß den Dialekt/Text von Attwenger nicht verstehen um Attwenger zu verstehen ..." oder so ähnlich, ich weiß nicht von wem das war ... ECORDER: Würdet ihr auch sagen, dass das Besondere an der Österreichischen Noiserock-Szene ist, dass es keinen einheitlichen Sound gibt, dass jede Band anders klingt? Man denke nur an BulBul im Vergleich zu United Movement im Vergleich zu Bug und so weiter. Fühlt ihr euch dieser Szene, sofern man bei dieser Stilvielfalt noch von einer sprechen kann, zugehörig? Immerhin ist "Phantoms" bei Interstellar Records und Noise Appeal erschienen, die ja wie keine anderen Labels in Österreich für die Szene stehen.
Andreas Heller: Wahrscheinlich stehen wir ein bisschen unter diesem Banner, und da bin ich auch froh dass die von dir genannten Bands alle ihr eigenes Ding durchziehen, eigentlich schon bemerkenswert für ein so kleines Land wie Österreich. Mit Bug sind wir ja recht gut befreundet und haben Ende des vorigen Jahres auch einige Konzerte gemeinsam gespielt. David Reumüller: Ich würde gar nicht auf Noiserock beschränken oder kategorisieren, es gibt in Österreich sehr gute Musikformationen die sich durch eigenständige Positionen auszeichnen, welches Genre auch immer. Das Problem ist eher, daß das Spielfeld für diese Projekte oder Bands im letzten Jahrzehnt vorallem in, aber natürlich nicht nur, Österreich weggebröselt ist. Es gibt aktuell einen Versuch eben diese eigenständigen Positionen durch eine Plattform zu fassen, die von einigen Bands getragen wird: http://crew8020.mur.at/music . ECORDER: Aber andererseits war der Mike Patton-Abend am Donaufestival ausverkauft und Tool sind erfolgreicher als je zuvor. Teilweise laufen auch Konzerte von vielleicht etwas zugänglicheren, österreichischen Bands ganz gut. Kann man da noch mehr verlangen?
David Reumüller: Da kann man sehr viel mehr verlangen, als zu den Bands zu laufen die, abgesehen von sämtlichen Musikmagazinen, auch in fast allen Tageszeitungen usw. auf und ab gefeatured werden. Jetzt mal ehrlich - Ipecac und alles das sollte nicht minder bewertet werden, aber zufrieden zu sein, wenn die Leute die Highlights an Import der größten Bands auf vernünftiger Ebene stürmen? Ich kenne keine österreichische Band die ich künstlerisch schätze, die annähernd angemessen honoriert wird, weder von Publikum geschweige denn finanziell. Es gibt großartige, anspruchsvolle Projekte und Bands abseits der Weltstars, die spielen fast täglich oft um die Ecke, man müsste sich halt damit beschäftigen, weil mans nicht täglich auf den Frühstückstisch bekommt. Andreas Heller: Es wäre wichtig zu internationalen Größen, genremässig einigermaßen ähnliche, einheimische Bands zu veranstalten, um diese in einen gemeinsamen Kontext bzw. auf eine gemeinsame Wertungsebene zu stellen und zu präsentieren. Das passiert zwar aber man könnte da als Veranstalter, und sozusagen Vermittler, noch mehr tun. ECORDER: Welche Art von Musik hört ihr zurzeit privat? Wird diese auf eure zukünftigen Arbeiten Einfluss nehmen?
Andreas Heller: Ich höre alles von Grindcore bis Dancfloor, und natürlich auch Artverwandtes; im Endeffekt bin ich bekennender Plattenjunkie oder eigentlich Musikjunkie. Manchmal passiert es uns dass wir Einflüsse von z.B. Klassik oder Filmmusik in Details verarbeiten, ich glaube aber das merkt der Endverbraucher nicht so. David Reumüller: Die meiste Zeit läuft zu Hause irgendeine Kinderlieder- oder Detektivgeschichten-CD eines meiner drei Kinder. Es gibt für mich kein bevorzugtes Genre, ich schätze Musik von Klassik über Jazz bis hin zu Hardcore oder Metal. ECORDER: Zum Schluss noch eine Frage: Wer ist "Lukas"?
David Reumüller: Lukas Kargl. Er ist ein sehr guter Feund und Sänger für klassische / alte Musik. Ich hab die Skizze für den Song vor Jahren geschrieben mit dem Gedanken eines gesanglichen Beitrags von ihm. Leider ist es durch Umzug seinerseits nach London nicht zur Kooperation gekommen, und so haben wir das Stück zu einer Instrumentalnummer gemacht und denn Arbeitstitel beibehalten. Wir sind aber im ständigen Kontakt und zumindest theoretischen musikalischen Austausch, also wer weiß – vielleicht gibt’s einmal die ursprünglich angedachte "Lukas"-Version. Andreas Heller: Lukas könnte aber auch eine fiktive Person sein und das Lied, eines der instrumentalen Stücke auf der Cd, ein Soundtrack zu einem Abschnitt in seinem Leben. Für mich war eher dieser Gedanke ausschlaggebend bei der Entscheidung den Arbeitstitel als Songtitel zu verwenden.
Aktuelles Album:Reflector - Phantoms BEWERTUNG: ØØØØ (Interstellar/NoiseAppeal) (A/ 2006) |
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