Radiohead forcierten mit "In Rainbows" die ewige Diskussion: Zahlen für Musik, oder nicht? Zahlen zu den Downloads gab es von Ihnen nicht. Dafür aber von Nine Inch Nails-Kopf Trent Reznor.

Ist "Experiment 2.0" nun gescheitert oder nicht? Trent Reznor ist sich selbst nicht sicher, was er nach seinem gemeinsamen Album "The Inevitable Rise And Liberation Of Niggy Tardust"mit Hip Hopper Saul Williams, das es entweder für fünf Dollar oder umsonst auf ihrer Website zum runterladen gab: "Sind das nun gute Nachrichten, dass noch nicht mal jeder fünfte das Album mit 5,- Dollar wert schätzt? Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber dieser Prozentsatz wirkt entmutigend. Andererseits ist Saul's Musik auf mehr iPods als jemals zuvor und die Leute interessieren sich für ihn." Mittlerweile wurde die Gratis-Option übrigens gestrichen …
Die Hip Hopper Atmosphere wiederum gaben ohne Vorankündigung ihr viertes Album "Strictly Leakage" zur freien Entnahme ins Internet – "einfach um ihren Fans zu danken". Ihr Hip Hop ist definitiv von der freundlichen, sonnigen Seite des Genres, wie vergleichsweise im Moment auch bei Pete Philly & Perquisite. zu finden Unter die Old School Beats mischen sich funky Bassgitarren, Orgeln und Blässer, was nicht von ungefähr an De La Soul denken lässt. An die kreative Spitze des Genres werden es Atmosphere vielleicht (nicht) schaffen, ihr, im April wieder regulär erscheinendes fünftes Album kann man aber durchaus auf dem Radar haben.

Auch Falco findet dieser Tage seinen (wenn auch nicht einwandfrei legalen) Weg ins World Wide Web. DJ Schmolli ist Österreichs "Mash-Up-Aushängeschild". Für Ö3 mixte er bespielsweise Gigi D'Agostino mit DJ Ötzi zusammen, oder auch Korn mit The Cure. Nun ist aber "Falco Re:loaded – A Bastard Pop Tribute By DJ Schmolli" dran. Der erste Eindruck lässt einem ein wiederholtes Mal an diesem Genre zweifeln, allerdings geht die Rechung, oder besser gesagt die Songs überraschend gut auf. Wobei "Funky Kommissar", bei dem Method Man seinen Beitrag zum Wu-Tang-Hit "Gravel Pit" beisteuern darf, und "Whenever Crazy Romans Get Into The Groove" mit Shakira davon leben, dass sie schon im Original starke Songs mit starken Refrains sind. "Papa Was Thunderstrucked On The Run" und "Do It Again And Again And Again" würden wiederum nicht zwischen Digitalism und Justice im Club stören. Ein einziges Mal ergeben die einzelnen Teile auch wirklich mehr als die sprichwörtliche Summe aus ihnen: "Feuer" von Jan Delay schaukelt sich mit "Out Of The Dark" zu einer Hymne mit Gänsehautgarantie auf. Die sozusagen "Single" "Mash Me Amadeus" ist dagegen catchy Müll, weil der größte Hit von Falco in Kombination mit Fat Boy Slim und Queen (!) einfach viel zuviel des "Guten" ist.
Zu guter Letzt kommen dank der Mobius Band auch noch die Indie Rocker auf Ihre Kosten. Weniger spektakulär als auf ihrem Debüt "The Loving Sounds Of Static", aber nicht wohlgemerkt nicht schlechter covern sie auf ihrer Download EP "Love Will Reign Supreme" u.a. Neil Young, Bob Dylan und "Digital Love" von Daft Punk. Demnächst begleiten die New Waver die Editors auf ihrer Europa Tournee – ein Mischung die passt.
Und somit bekommen Fans unterschiedlichster Genres ihr qualitativ hochwertiges Gratismenu im Internet.