Als Veranstalter hat es Muff Sopper schwer gehabt: trotz Umbenennung seiner Veranstaltungshalle von "Rockhouse" in "Planet Music" im Jahr 1999 blieb sein Schuppen als Metal-Hölle verschrien. Selbst Auftritte internationaler Popstars wie den Sugababes konnten keine Imagepolitur verschaffen. Und wenn dann mal großartige Alternative-Festivals wie das "Gravity" auf dem Programm stehen hat, interessiert das keinen Trainingsjackenträger.
Das Publikum entscheidet. Von den kleineren Wiener Clubs, die zwischen 400 und 2000 Leuten fassen, steht für das Publikum die Arena hauptsächlich für Punkmusik, die Szene Wien ist Synonym für Worldmusic und das Planet Music eben für seinen Metal. Selbst eine Namensänderung bringt da, wie Josef "Muff" Sopper gesehen hat, nichts. Jetzt, wo er mit seinem Planet Musik aus dem 20. ausziehen muss, wird ihm das Gasometer angeboten. Diese an sich nicht so schlechte Sache hat allerdings einen Haken: was macht man mit Konzerten, die vor wenigen hundert Leuten stattfinden? Da zahlt sich nämlich der Betrieb der über 3000 Personen fassenden Location nicht aus und eine wie anfangs angedachte zeitweilige Verkleinerung durch Abtrennung scheint technisch nicht möglich zu sein. Wie gut, daß man Freunde hat. Die haben nämlich Muff Anfang 2008 nicht nur das Gasometer besorgt, sondern setzen nun die Beschäftigten der Szene Wien vor vollendete Tatsachen: Muff wird der neue Geschäftsführer. Eine fadenscheinige Begründung läßt sich auch leicht aus dem Ärmel zaubern. Die Wiener Stadthallen, denen bislang die ((szene)) unterstellt war, ist mit der Auslastung nicht zufrieden und ist der Meinung, Muff Sopper kann diesbezüglich etwas tun.
Qualität bringt nicht unbedingt Quantität. Was bei Filmen gilt, die als flache und manchmal gar grenzdebile Blockbuster ein Millionenpublikum anlocken, hat erst recht bei der Musik seine Gültigkeit. Nur 44 % Auslastung habe die Szene Wien. Sicher, manchmal gibt es wie demnächst mit Unheilig auch Bands, welche die Planet-Klientel bedienen könnten, mit den Gipsy Punk-Göttern Gogol Bordello, die eher in die Arena gepasst hätten, war man selbst bei ihrem ersten Österreich-Konzert ausverkauft, aber mal ehrlich - wie viele Fans pilgern zu rein multikulturellen Veranstaltungen wie Tinariwen aus Mali oder Ricardo Lemvo & Makina Loca aus dem Kongo? Eben. Denn auch solche Konzerte bietet die Szene gemäß dem Kulturauftrag der Stadt Wien. Der neue Geschäftsführer hat nun vor, die Auslastung zu steigern. Das Rezept hat natürlich schon im Planet funktioniert, indem beim International Band Contest die auftretenden Fans ein Ticketkontingent an Freunde und Verwandte verkaufen müssen, um in die nächsten Runden aufsteigen zu können. Oder man es werden Konzerte veranstaltet, in deren Rahmen Support-Acts wiederum selbst Tickets verkaufen müssen, um vor dem Hauptact aufzutreten.
Freunderlwirtschaft. Dass die ((szene)) an Sopper ging, begründet die Stadthallen-Führung damit, dass er einfach angefragt habe. Laut einem Rechtsgutachten soll bei einem Geschäftsführerwechsel keine Ausschreibung nötig gewesen sein. So sieht das auch Sopper, also macht er mit seiner offenherzigen Laune kein Geheimnis daraus, dass er seinen Freund, den SP-Landesparteisekretär und Mr. Donauinselfest Harry Kopietz, angerufen hat, nachdem fest gestanden hatte, dass sein Planet Musik abgerissen werden sollte. Kopietz habe ihm schließlich das Gasometer besorgt und für kleinere Auftritte die ((szene)).
Wildwuchs. Was Kritikern weiters besonders sauer aufstößt, ist die Funktion von Sopper als Chef der Kultur:Plakat GmbH. Um den Wildwuchs beim Plakatieren zu vermeiden, darf in Wien seit Jänner 2008 nur noch auf so genannten Halbschalen für Konzerte, Ausstellungen und alle anderen Veranstaltungen geworben werden. Diese an Lichtmasten befestigten Vorrichtungen werden von der SPÖ-nahen Gewista weitervermietet. Der Clou an der Sache ist, dass einige dieser illegalen Plakatierer in die eigens gegründete Gewista Kultur:Plakat GmbH geholt wurden, als deren Chef Muff Sopper bestellt wurde. Der Rest der freien Plakatierer kämpft nach dieser Monopolisierung ums wirtschaftliche Überleben.
Auch wenn alles mit rechten Dingen zugegangen ist, bleibt eine verheerende Optik. Oder wie Christine Flamond von der Szene Wien zu Martina Pokorny vom Planet Music gemeint hatte, dass es zwar bis dato miteinander keine Probleme untereinander gab, "aber so eine Situation macht uns zu Feinden".
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