Das schöne an Interviews sind die Überraschungen. Bei Christian von John Doe gibt es diese. Da wankt im nach hinein der Vergleich mit den Noise Rockern Helmet genauso wie die Veröffentlichung des neues Albums "The Last Page". Also bis auf weiters muss man sich noch mit dem zwei Jahre alten Album "
In My Own Cage" trösten. Aber liest selbst.
ECORDER: Ich hoffe zunächst einmal, dass der Albumtitel "The Last Page" nicht für das Ende eures Banddaseins steht –wie damals bei Kyuss „…and the Circus leaves Town“. Was sollte man über den Albumtitel wissen?
CHRISTIAN G.: Den Titel habe ich primär aus persönlichen Gründen gewählt. "The Last Page" ist der Abschluss einer schwierigen Lebensphase und nicht mehr, und nicht weniger…
ECORDER: "In My Own Cage" war ja von der Länge her gesehen extrem auf den Punkt gebracht. Habt ihr diesmal mehr längere Songs geschrieben oder bleibt die Ausrichtung gleich?
CHRISTIAN G.: Auf unserem neuen Album befinden zehn Songs, wovon 8 über 3 min. gehen. D.h. für unsere Verhältnisse ist es ein sehr "langes" Album. Grundsätzlich wollten wir aber schon unserer Linie treu bleiben, und keine Songs schreiben die sich ewig in die Länge ziehen.
ECORDER: Auffallend ist dieses Hin und Her zwischen Härte und Zerbrechlichkeit im Vorab-Song "Fire In The Hole". Wäre euch eine einzige Richtung zu langweilig?
CHRISTIAN G.: Dieses "Hin und Her" wie du es so schön beschreibst, spiegelt zu 100 % unser Leben. Es gab Tage, wo ich dachte, es lohnt sich zu leben… und dann wieder Andere, wo ich mir am liebsten eine Kugel durch den Kopf gejagt hätte. Und genau diese Gedanken, Ängste und Sorgen versuche ich in unseren Songs zu verarbeiten. Die Meisten versuchen einfach coole Songs zu schreiben, ich jedoch, versuche mich selbst zu therapieren.
ECORDER: Interessant sind ja auch immer die musikalischen Einflüsse – ich würde bei euch vor allem auf Nirvana und Helmet tippen.
CHRISTIAN G.: Auch wenn es für dich jetzt wahrscheinlich traurig klingt, aber von Helmet kenne ich keinen einzigen Song. Nirvana ist natürlich jedem ein Begriff, aber ich könnte dir noch dutzende andere Bands sagen, die mindestens genauso viel Einfluss auf unsere Musik haben wie Nirvana… zum Beispiel Rage Against The Machine, Bush, In Flames, Wizo, Silverchair usw.
ECORDER: Eure Musik zeichnet ein ziemlicher fetter Groove aus, der aber – im Vergleich zu so mancher New Metal-Combo – gänzlich unpeinlich wirkt. Wie funktioniert das?
CHRISTIAN G.: Um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung. (grinst)
ECORDER: Auf eurer Myspace Seite kündigt ihr eine Zusammenarbeit mit RGM-Music an. Was erwartet ihr euch davon ?
CHRISTIAN G.: Viel. Roman Grumer (Chef von RGM-Music) hat uns nach eigenen Aussagen ausgewählt, weil er selten eine Band gesehen hat, die so authentisch ist und klingt wie wir. Das sagt vieles. Vor allem, dass wir einen Partner gefunden haben, der unsere Musik nicht verändern, sondern fördern will. Vor einigen Tagen haben wir uns daher entschlossen, unser neues Album „The Last Page“ auf Eis zu legen. Wir sind der Meinung, dass die Zusammenarbeit mit RGM-Music zur Zeit einfach Priorität hat. Alles Weitere wird sich in den nächsten Wochen und Monate zeigen.
ECORDER: Bedeutet das im Umkehrschluss, dass ihr mit PH-Music unzufrieden wart oder es sogar Streit gegeben hat?